Wird der Fluglärm doch endlich ernst genommen?

Seit bald einem Jahr wehren sich die lärmgeplagten Gemeinden im Süden des Flughafens. Grund dafür ist die massive Zunahme von Südanflügen seit Einführung des Instrumentenlandeanflugs (ILS 34, heute ILS 33 genannt). In den ersten Monaten wurde seitens des Flughafen, resp. der Verwaltungsräte, das Problem kleingeredet. Es handle sich um vorübergehende, meteorologisch bedingte Zunahmen, die bis Ende Jahr wieder ausgeglichen sein werden. Denkste! Auch Ende Jahr liegt der Anteil der Südanflüge über dem langjährigen Durchschnitt. In den Jahren 2005 bis 2007 lag der Anteil der Südanflüge bei 3.9 - 7%. 2008, im ersten Jahr mit ILS 33, liegt er dagegen bei 9.2%. Und dies, obwohl den Betroffenen seinerzeit in der Vernehmlassung klar zugesichert wurde, der Anteil der Südanflüge werde nicht zunehmen.

Jetzt scheint das BAZL zu realisieren, dass die Zusagen nicht eingehalten werden können. Auch wenn es keine Missbräuche seitens der französischen Fluglotsen hat nachweisen können, so hat es doch mit Schreiben vom 16.12.2008 versprochen, zusammen mit den französischen Behörden nach Betriebsoptimierungen zu suchen, um den Anteil Südanflüge wieder auf den alten Wert zu senken.

Begrüssenswert ist das Engagement des Solothurner Regierungsrates für seine Bevölkerung. Er fordert verlängerte Nachtruhe (22 - 7 Uhr) und eine Änderung der Nordwind-Klausel (Anflug aus Süden erst ab 7.5 Knoten). Diese Haltung könnte sich der Regierungsrat BL als Vorbild nehmen. Er setzt sich nur zögerlich für die Anliegen der lärmgeplagten Bevölkerung ein (Nachtruhe nur von 23 - 6 Uhr, keine Änderung der Südanflug-Regeln) und auch das nur auf politischen Druck hin.

Zu langsam arbeiten hingegen die Flughafen-Organe. Obwohl sich 12 am stärksten betroffenen Gemeinden bereits im Mai auf gemeinsame Forderungen geeinigt und diese den Behörden übergeben haben, sind noch keine Entschiede gefallen. So wird der Bericht zu der geforderten Betriebszeitenverkürzung erst im 1. Quartal 2009 vorliegen. Eine Änderung der Flughafengebühren, welche Landungen in den Randzeiten und an Sonn- und Feiertagen sowie für laute Flugzeuge verteuern soll, treten frühestens auf den 1.4.2009 in Kraft. Und die Bearbeitung der Fragestellung, ob die Rückenwindkomponente erhöht werden soll, wird erst angekündigt.

Wir bleiben dran. Die Forderungen der betroffenen Gemeinden sind unverändert: Kurzfristig verlangen wir die strikte Einhaltung der ILS-33-Auflagen, möglichst wenige Südanflüge und unabhängige Kontrollen. Mittelfristig müssen das Nachtflugverbot auf 22 - 7 Uhr ausgedehnt, die Regeln für den Wechsel auf Südanflüge strenger und die Frachtflüge stark eingeschränkt werden.

Der Bericht in den Medien zur Situation im Juli (BaZ_080728_Suedanfluege) und im Dezember 2008 (BZ_081218_Fluglaerm).